Geschichtliches und kieferorthopädischer Werdegang

In ihren Anfängen war die klassische Kieferorthopädie eine „handwerkliche“, ja sogar „künstlerische“ Disziplin, in der die Behandler ihre Apparaturen und Behandlungsmechaniken eigenhändig nach Maß anfertigten. Damals war Europa führend in der Funktionskieferorthopädie, während die US-amerikanische Orthodontie bei den festsitzenden Apparaturen tonangebend war. Alle Bänder, Brackets, Bogendrähte und KFO-Apparaturen waren für jeden Einzelfall maßgefertigt und individuell angepasst.

Die moderne Kieferorthopädie brachte mit der Einführung neuer High-Tech-Systeme einen Wandel zu universelleren, ästhetischen und vereinfachten Behandlungsformen. Straight-Wire-Apparaturen und Mini-Implantate zur temporären Verankerung haben den Markt erobert, während funktionskieferorthopädische Apparaturen (Aktivatoren, Bionatoren u.a.) im Abwärtstrend liegen. Die vorherrschende Philosophie lautet: „Eine Größe für alle“. Der Bedarf an künstlerischer Handwerklichkeit und individueller Maßanfertigung ist geschwunden, das funktionelle Denken zurückgegangen.

Seit 1966 erlernte ich die europäischen herausnehmbaren Behandlungskonzepte (Platten und funktionskieferorthopädische Apparaturen); festsitzende US-amerikanische Behandlungssysteme (Multiband/Bracket-Apparaturen) seit 1971, als in Deutschland Amerikaner und Engländer die ersten Workshops für festsitzende Behandlungstechniken anboten. Das Erlernte habe ich in kieferorthopädischen Arbeitskreisen in Münchner Praxen vertieft. Im Verlauf von mehr als vier Jahrzehnten konnte ich mir einen großen theoretischen und praktischen Erfahrungsschatz aneignen.

Mein hochgestecktes Behandlungsziel zu erreichen, begründet sich in individualisierten Behandlungsmechaniken für jeden Einzelfall. Das heißt, dass in meiner Praxis neben der modernen Straight-Wire-Technik und vorgeformten superelastischen und Thermobögen auch individuell gebogene Bögen mit eingebauten Loops und Torques nach dem Vorbild der bioprogressiven Mechanik der „Ricketts-Technik“ (Prof. Ricketts, USA) zur Anwendung kommen.

Zudem begleitet mich stets mein ganzheitlicher Denkansatz als Human-Medizinerin.